Professur für Forstzoologie und Entomologie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. Professur für Forstzoologie
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Rainer Droste

Biologie und Ökologie augenbesuchender Lepidopteren (Nolidae) in Ghana

Augenfalter haben die Eigenart nachts Tränenflüssigkeit von Paar- und Unpaarhufern zu saugen. Vor allem domestizierte Rinderarten werden von den meisten Augenfalterarten aufgesucht. Augenfalter kommen in tropischen und subtropischen Gebieten mit ausgeprägten Trocken- und Regenzeiten vor, vornehmlich in Asien und Afrika. Das Aufnehmen von Tränenflüssigkeit, die sogenannte Lacriphagie, kommt bei Vertretern aus verschiedenen Familien der Lepidopteren vor, wobei nur wenige Arten speziell an das Besuchen von Augen angepasst sind. Es wird vermutet, dass diese streng augenbesuchenden Arten Proteine aus der Tränenflüssigkeit filtern, um ihre Fortpflanzung zu gewährleisten, da die Reserven aus den larvalen Stadien zur Reifung der Ovarien nicht ausreichen. Die Larven und Futterpflanzen keiner streng augenbesuchenden Falterart waren bisher bekannt. Im Norden Ghanas wurde über 3 Monate dieses Phänomen exemplarisch an der augenbesuchenden Falterart Arcyophora patricula (Nolidae) untersucht. Da kaum etwas über die Biologie und Ökologie dieser Art bekannt war, waren die Fragestellungen dementsprechend vielfältig. Neben der Identifikation der präimaginalen Stadien und deren natürlicher Futterpflanze, wurden Experimente zur Wirtsfindung sowie Erhebungen zur Anflugshäufigkeit im Hinblick auf verschiedene Umweltfaktoren durchgeführt. Auch die individuelle Attraktivität der Wirtstiere (Hausrinder) wurde untersucht. Das wohl wichtigste Ergebnis ist die Identifikation der larvalen Stadien und deren Futterpflanze. Dies war durch die erfolgreiche Nachzucht von A. patricula möglich. Die natürliche Futterpflanze konnte in einem Wahlversuch ermittelt werden. Somit wurde erstmals die Grundlage geschaffen, die Bedeutung bzw. Funktion dieser ungewöhnlichen Ernährungsweise genauer zu erforschen. Die Frage, wie die Falter zielgenau an die Augen der Rinder finden, konnte nicht eindeutig beantwortet werden. Allerdings geben die Ergebnisse Hinweise darauf, dass sowohl olfaktorische als im Nahbereich auch optische Signale hierbei eine Rolle spielen. Momentan liegt das Hauptaugenmerk der Forschungen neben der Beschreibung der präimaginalen Stadien auf dem Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Tränenflüssigkeit und der ovarialen Entwicklung. Entsprechend der Ausgangshypothese, soll nun untersucht werden, ob Proteine in der Tränenflüssigkeit aufgenommen werden, um den Reproduktionserfolg der Falter zu erhöhen bzw. überhaupt zu ermöglichen. Der Hinweis, dass die natürliche (larvale) Futterpflanze Anogeissus leiocarpa einen hohen Tanningehalt aufweist, welcher die Verdaulichkeit von Proteinen zu hemmen vermag, stellt für die Hypothese eine entscheidende Grundlage dar.