Professur für Forstzoologie und Entomologie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br. Professur für Forstzoologie
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Waldmaikäfer

In den Wäldern der nördlichen Oberrheinebene steigen seit Anfang der 90er Jahre die Befallsflächen durch den Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani F.) kontinuierlich an. Als mögliche Ursachen für die hohen Käferabundanzen wurden bisher der Temperaturanstieg, die Verkürzung der Entwicklungszeit, die Vermischung der Hauptflugstämme (Populationen), die Entstehung neuer Nebenflugstämme sowie das geeignete Bodensubstrat für die Ei- und Engerlingsentwicklung diskutiert.

Der Einfluss verschiedener Futterpflanzen während des Reifefraßes auf die Eiproduktion des Waldmaikäfers wird als weiterer Einflussfaktor auf die außergewöhnliche populationsdynamische Entwicklung bei M. hippocastani eingeführt. Besonderes Augenmerk richtete sich hierbei auf die Baumart Roteiche, da diese im Befallsgebiet einen besonders hohen Schädigungsgrad aufweist. Gleichzeitig wurde geprüft, ob eine Korrelation zwischen Nahrungsquantität und Eianzahl besteht und ob die Käfer eine Gewichtzunahme während des Reifefraßes erfahren. Als Futterpflanzen wurden die fünf Baumarten Roteiche (Quercus rubra), Stieleiche (Quercus rorbur), Rotbuche (Fagus sylvatica), Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und Esche (Fraxinus excelsior) ausgewählt.

Eine Gewichtszunahme während des Fraßversuchs konnte lediglich bei 21% der Käfer festgestellt werden. Die mittlere Gewichtsabnahme aller Käferindividuen betrug 82 mg bzw. 11,3% vom mittleren Anfangsgewicht. Die Variante Roteiche war die einzige, welche mit 14 mg eine positive mittlere Gewichtsdifferenz aufwies. Bei der Auswertung bezüglich der Eiproduktion erzielte die Variante Roteiche mit einer mittleren Anzahl von 15,8 reifen Eiern je Käfer die höchste Eianzahl. Ihr folgten die Varianten Stieleiche (14,2), Rotbuche (11,0), Bergahorn (10,9), Esche (5,4) und die Variante Rotbuche Erdkäfer mit keinen reifen Eiern; die Eizahlen der Käfer variieren also in Abhängigkeit der verschiedenen Futterpflanzen.

Je Käfer wurde außerdem die konsumierte Nahrungsmenge gemessen. Die Variante Roteiche zeigte mit 151 cm² den höchsten Nahrungsbedarf, die Varianten Bergahorn (74 cm²), Stieleiche (67 cm²), Rotbuche (45 cm²), Rotbuche Erdkäfer (29 cm²) folgten. Die erzielten Ergebnisse schließen eine Korrelation zwischen der Gesamtfraßfläche und der Anzahl produzierter Eier in Abhängigkeit der Futterpflanzen aus. Dies deutet darauf hin, dass die Nahrungsqualität der jeweiligen Baumart wichtiger zu sein scheint, als die Nahrungsquantität. Innerhalb der Varianten ließ sich jedoch eine Korrelation zwischen der Gesamtfraßfläche und der Eianzahl je Käfer in Bereichen hoher Fraßintensität feststellen. Die hohen Eizahlen bei den Varianten Roteiche und Stieleiche verdeutlichen, dass diese einen positiven Einfluss auf die Populationsentwicklung der Waldmaikäfer ausüben und somit am kontinuierlichen Anstieg der Käferdichten wesentlich mitbeteiligt sind.